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Ein Arzt aus den USA, der sich in der Demokratischen Republik Kongo mit Ebola infiziert hat, ist zur Behandlung in der Berliner Charité aufgenommen worden. Die US-Regierung habe Deutschland wegen seiner Expertise bei der Behandlung von Ebola-Patienten und der kürzeren Flugzeit um Hilfe gebeten, sagte ein Sprecher der Bundesregierung am Mittwoch in Berlin. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft das Risiko einer Ausbreitung in Zentralafrika als hoch, weltweit aber weiter als gering ein.
Bei dem US-Patienten handelt es sich nach Angaben der christlichen US-Hilfsorganisation Serge um ihren Arzt Peter Stafford, der mit seiner Ehefrau Rebekah - ebenfalls eine Ärztin - und vier Kindern in der Demokratischen Republik Kongo lebte und arbeitete. Die Bundesregierung wollte am Mittwoch keine Angaben dazu machen, ob Staffords Familie und der Arzt Patrick LaRochelle, der nach Angaben der Organisation ebenfalls Ebola-Patienten behandelt hatte, auch nach Deutschland gebracht wurden.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte am Montag erklärt, ein US-Bürger habe sich bei "seiner Arbeit in der Demokratischen Republik Kongo" mit Ebola infiziert. Er habe im Laufe des Wochenendes Symptome entwickelt und sei am Sonntagabend positiv auf das Virus getestet worden.
Das US-Außenministerium sprach eine Reisewarnung für die DR Kongo und die Nachbarländer Uganda und Südsudan aus und verhängte ein Einreiseverbot gegen Nicht-US-Bürger, die sich in den vergangenen drei Wochen im Kongo aufgehalten haben. Die kongolesische Fußball-Nationalmannschaft darf zur WM aber einreisen, wie ein Ministeriumsvertreter klarstellte.
Der US-Patient wird auf der Sonderisolierstation der Charité behandelt, "sodass kein Risiko für die Bevölkerung besteht", wie der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer in Berlin sagte. Auch das Bundesgesundheitsministerium und die EU-Kommission stufen das Risiko, sich in Deutschland oder Europa mit Ebola zu infizieren, als sehr gering ein.
Im Kongo wurden nach Angaben der WHO bisher 51 Infektionsfälle bestätigt. Wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf sagte, gibt es zudem fast 600 Verdachtsfälle, darunter auch 139 Todesfälle. "Wir erwarten, dass die Zahlen weiter steigen werden", sagte Tedros, der sich bereits am Dienstag "zutiefst besorgt" über das "Ausmaß und die Geschwindigkeit" der Ebola-Ausbreitung gezeigt hatte.
Die WHO rief wegen der Epidemie eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" aus - ihre zweithöchste Alarmstufe. Die Kriterien für eine Pandemie-Warnung seien aber weiterhin nicht erfüllt, sagte die Leiterin des WHO-Notfallkomitees, Lucille Blumberg.
Die WHO vermutet inzwischen, dass die Epidemie lange unentdeckt blieb. "Angesichts des Ausmaßes gehen wir davon aus, dass sie vermutlich vor einigen Monaten begonnen hat", sagte die WHO-Spezialistin Anaïs Legand in Genf. Wichtig sei nun vor allem, die Infektionsketten zu unterbrechen und alle Verdachts- und bestätigten Infektionsfälle zu isolieren und zu versorgen.
Das Zentrum der Epidemie befindet sich in Ituri, einer Provinz im Nordosten des zentralafrikanischen Landes, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Die Epidemie wird von der seltenen Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht. Gegen sie gibt es keinen Impfstoff und keine gezielte Therapie. Die Sterblichkeitsrate liegt bei 30 bis 50 Prozent.
R.Krejci--TPP