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Den Titelverteidiger entthront, der Gold-Traum lebt: Angeführt vom überragenden Spielmacher Juri Knorr sind Deutschlands Handballer ins EM-Halbfinale gestürmt. Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason besiegte Frankreich im Hauptrunden-Finale von Herning dank ihrer gefährlichen Offensive und am Ende starker Nerven mit 38:34 (19:15) und greift zehn Jahre nach dem Coup von Krakau wieder nach Europas Handball-Krone.
Das deutsche Team zeigte im "Alles-oder-Nichts"-Spiel am Freitagabend seine beste Turnierleistung. Vor allem Rückraumspieler Knorr brillierte gegen die hoch gehandelten Franzosen. Der Mann mit dem Zopf, der bei der EM bislang hinter den großen Erwartungen geblieben war, dirigierte geschickt das Angriffsspiel und strahlte zu jeder Zeit Torgefahr aus.
Am Ende avancierte Knorr vor 10.850 Zuschauern in der Jyske Bank Boxen mit zehn Toren zum besten deutschen Werfer. Ausschlaggebend für den nächsten großen Sieg gegen den WM-Dritten waren in der Schlussphase auch die guten Nerven. Als Frankreich sieben Minuten vor dem Ende bis auf ein Tor herankam, blieben Kapitän Johannes Golla und seine Mitspieler cool.
Auf wen die DHB-Auswahl im Halbfinale am Freitag trifft, steht noch nicht fest. Infrage kommen Island, Schweden oder Kroatien. Für Deutschland geht es am Wochenende um die erste EM-Medaille seit dem Gold-Coup von 2016.
Gislason betonte unmittelbar vor der Partie, dem ersten Aufeinandertreffen beider Teams seit dem deutschen Sieg im olympischen Viertelfinale (35:34 nach Verlängerung) noch einmal die große Lust seiner Spieler, eine besondere Kabinenansprache bedurfte es nicht. "Die Jungs sind sehr motiviert und fokussiert. Das sind wir alle. Da muss ich kein Theater machen, um sie in die richtige Richtung zu bringen", sagte der 66-Jährige im ZDF.
Dieser Wille war dem deutschen Team von Beginn an anzumerken. Mit Wolff, der nach dem Dänemark-Dämpfer in die Startformation zurückkehrte, im Tor und ganz viel Offensivdrang legte die DHB-Auswahl los. Hinten machte Franzosen-Star Dika Mem der deutschen Deckung zwar zu schaffen, doch die Angriffseffektivität war diesmal top.
Als nach ausgeglichener Anfangsphase (7:7) auch die deutsche Deckung auf Betriebstemperatur kam, acht Minuten ohne Gegentreffer blieb und dazu Wolff nach einer Viertelstunde noch die ersten Bälle zu fassen bekam, setzte sich Deutschland binnen kurzer Zeit auf 11:7 (18.) ab. "Angriff ist super. Da machen wir weiter unser Ding nach vorn", sagte Gislason: "Unser Problem war bislang nur Dika Mem. In der zweiten Welle versuchen wir den offensiver anzunehmen, ansonsten ist die Abwehr da. Andi ist super."
Gesagt, getan. Vor allem Kreisläufer Justus Fischer und der eingewechselte Knorr drehten nun richtig auf. Das Tor zum 15:11 (25.) bedeutete Knorrs fünften Treffer im fünften Versuch, zur Pause stand er sogar bei sechs. "Wir brauchen weiter Kompaktheit, Härte und Intensität", sagte Matthes Langhoff in der Halbzeit im Zweiten: "Wir müssen weiter voll fokussiert sein, 100 Prozent geben und keinen Schritt zurückweichen."
Dies beherzigte allen voran Knorr. Als er mit seinem Treffer beim zehnten Wurf zum 24:19 (35.) einnetzte, musste selbst er kurz grinsen. Doch Frankreich ließ sich nicht entmutigen und robbte sich wieder heran. Weil das DHB-Team und auch Knorr sich nun einige Fehlwürfe erlaubten, schmolz die Führung bis zwölf Minuten vor dem Ende bis auf ein Tor (29:28).
Die deutsche Mannschaft ließ sich von der aufkommenden Hektik aber nicht anstecken und profitierte zudem von einigen Pfostentreffern des Kontrahenten. Einen möglichen Ausgleich verhinderte Wolff sechs Minuten vor dem Schlusspfiff.
T.Kolar--TPP