The Prague Post - Nach sechs Jahren Rückgang: Zahl überschuldeter Verbraucher steigt wieder

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Nach sechs Jahren Rückgang: Zahl überschuldeter Verbraucher steigt wieder
Nach sechs Jahren Rückgang: Zahl überschuldeter Verbraucher steigt wieder / Foto: DENIS CHARLET - AFP/Archiv

Nach sechs Jahren Rückgang: Zahl überschuldeter Verbraucher steigt wieder

Nach sechs Jahren Rückgang steigt die Zahl überschuldeter Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland in diesem Jahr wieder. 2025 seien 5,67 Millionen Menschen über 18 Jahre überschuldet, teilte die Auskunftei Creditreform in Neuss am Freitag mit. Das sei ein Anstieg um 111.000 Menschen oder zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Die finanziellen Puffer vieler Menschen sind schlicht aufgebraucht", erklärte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch.

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Der letzte ähnlich starke Anstieg der Überschuldungsfälle liegt demnach neun Jahre zurück. 2016 waren rund 130.000 neue Überschuldungsfälle registriert worden. Erstmals seit Jahren steigt laut Creditreform auch die Zahl überschuldeter Verbraucher über fast alle sozialen Gruppen hinweg. "Überschuldung ist kein Randphänomen mehr", sagte Hantzsch. "Wir sehen mittlerweile viele, die eigentlich gut situiert sind, aber ihre finanzielle Belastbarkeit überschätzt haben." Das betreffe zunehmend auch Menschen mit stabilem Einkommen und geregeltem Alltag.

Erstmals seit 2016 nehmen in diesem Jahr laut der Auskunftei auch "harte" und "weiche" Überschuldung zugleich zu. Die Zahl der juristisch relevanten Überschuldungsfälle wie Vollstreckungen, Inkassoverfahren oder Haftbefehle stieg demnach um rund 39.000 Fälle - anhaltende Zahlungsstörungen ohne rechtliche Konsequenz, um 72.000 Fälle im Vorjahresvergleich.

"Wenn beide Formen gleichzeitig steigen, spricht das für eine breite strukturelle Verschlechterung der privaten Finanzen", erläuterte Creditreform-Geschäftsführer Bernd Bütow. Viele Verbraucher rutschten nicht plötzlich, sondern schleichend in die Überschuldung. "Erst geraten Rechnungen in Rückstand, dann folgen Mahnungen und schließlich juristische Verfahren."

Überdurchschnittlich stark stieg den Angaben zufolge die Überschuldung bei jungen Menschen unter 30 Jahren und bei älteren über 60 Jahren. Während Jüngere durch Konsum, Kredite und Onlinekäufe ins Straucheln geraten, leiden Ältere zunehmend unter steigenden Lebenshaltungskosten und begrenzten Renteneinkommen, erklärte Creditreform. "Die Jungen stolpern über Konsumverhalten, die Älteren über strukturelle Knappheit", sagte Bütow. Beide Gruppen hätten kaum Spielraum, wenn unvorhergesehene Ausgaben kommen.

Besonders viele Überschuldungsfälle gibt es laut der Auskunftei in wirtschaftlich angeschlagenen Regionen wie Nordrhein-Westfalen. In diesem Jahr sei die Entwicklung aber "flächendeckend negativ". Auch in Bayern oder Sachsen steige die Zahl der überschuldeten Verbraucher.

Nach Jahren multipler Krisen – Pandemie, Energiepreise, Inflation - seien Ersparnisse und Reserven vieler Verbraucher aufgezehrt, erläuterte Creditreform-Geschäftsführer Bütow. "Viele haben die letzten Jahre mit erstaunlicher Disziplin überstanden. Aber jetzt zeigt sich: Resilienz ist keine unerschöpfliche Ressource."

Creditreform rechnet damit, dass sich der negative Trend im kommenden Jahr fortsetzen wird. Steigende Zinsen, hohe Lebenshaltungskosten und ein schwächerer Arbeitsmarkt dürften die Situation weiter verschärfen, erklärten die Experten.

T.Kolar--TPP