Goldpreis
-7.9000
Alexander Zverev riss sich erleichtert das verschwitzte Shirt vom Leib, dann holte er sich den spärlichen Applaus der verbliebenen New Yorker Nachtschwärmer ab. Der French-Open-Sieger hat zwei Tage nach seinem Erstrunden-Schreck auch die nächste Pflichtaufgabe bei den US Open nur mit großer Mühe gelöst. Beim 6:4, 4:6, 7:6 (7:3), 6:7 (3:7), 6:3 gegen den Franzosen Quentin Halys wirkte Zverev zwischenzeitlich arg verunsichert.
Weil der Hamburger bei schwülen Bedingungen aber am Ende kühlen Kopf bewahrte, gelang ihm dennoch der achte Einzug in die dritte Runde von New York. Nach 4:33 Stunden verwandelte Zverev um 2.15 Uhr Ortszeit seinen erlösenden Matchball gegen die Nummer 52 der Welt. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nur noch wenige Fans im Stadion.
"Die Performance war ziemlich scheiße, um ehrlich zu sein, aber ich habe gewonnen, das ist das Wichtigste", sagte Zverev: "Dafür gehe ich ins Gym, dafür trainiere ich, um in diesen schwierigen Momenten trotzdem zu gewinnen - dann, wenn du nicht dein bestes Tennis spielst." Er hoffe "aber schon, dass irgendwann anfange, besser zu spielen".
Für den French-Open-Sieger war es der 20. Match-Gewinn bei einem Major in diesem Jahr - nur Boris Becker schaffte als deutscher Profi 1989 mehr (22). Am Samstag (Ortszeit) wartet auf Zverev, der gegen Halys lange zu passiv agierte, erstmals im Turnierverlauf ein gesetzter Gegner. Der Weltranglisten-28. Alejandro Tabilo aus Chile dürfte in der aktuellen Verfassung eine harte Prüfung darstellen.
In der ersten Runde war Zverev nur zwei Punkte von einer Überraschungspleite gegen Lorenzo Sonego entfernt gewesen. Dennoch betrat er um 21.35 Uhr Ortszeit mit entspannter Miene das Arthur Ashe Stadium. Und wie schon gegen den Italiener holte sich Zverev den ersten Satz - in einer zu Beginn seltsam emotionslosen Partie im größten Tennisstadion der Welt reichten dem Deutschen ein paar konzentrierte Aufschlagspiele und ein spätes Break. Der Jubel in Richtung seiner Box fiel verhalten aus.
Anschließend wurde deutlich, dass Zverev von seiner Topform derzeit ein gutes Stück entfernt ist. Im zweiten Satz machte er sich das Leben gegen den limitierten Franzosen selbst schwer. Er ließ mehrere Breakbälle ungenutzt und bekam zur Unzeit Probleme mit seinem Aufschlag. Plötzlich stand es 1:1, obwohl Zverev die Partie zuvor im Griff gehabt hatte.
Der Hamburger schimpfte und haderte nun hörbar und war danach zwischenzeitlich komplett neben der Spur. Zweimal in Folge gab er seinen Aufschlag ab, die Vorhandschläge flogen nun wieder und wieder ins Aus. Zverev verabschiedete sich in dieser Phase auch komplett von der offensiven Spielweise, die ihn auf dem Weg in zwei Grand-Slam-Finals zuletzt so stark gemacht hatte.
Mitte des dritten Satzes wechselte Zverev die Schuhe und hatte danach wieder ein wenig mehr Zugriff auf die Partie. Im Tiebreak nahm er die zahlreichen Einladungen seines fehleranfälligen Gegners dankend an und verhinderte nach einem 76-Minuten-Satz den Rückstand.
Doch auch danach blieb die Partie eng. Zverev, der bei hoher Luftfeuchtigkeit stark schwitzte, wirkte nun wieder etwas stabiler, doch er ließ erneut zu viele Breakbälle ungenutzt. Im Tiebreak war Halys der bessere Spieler und so musste Zverev zum zweiten Mal in zwei Tagen in den Entscheidungssatz.
Von den restlichen deutschen Profis schaffte es diesmal keiner in die dritte Runde von New York. Jan-Lennard Struff verlor ein kurioses Fünfsatz-Match mit zahlreichen Doppelfehlern auf beiden Seiten gegen Francisco Cerúndolo, Eva Lys erhielt von Mirra Andrejewa beim 0:6, 2:6 eine Lehrstunde und Tatjana Maria konnte eine Satzführung gegen die Tschechin Nikola Bartunkova nicht ins Ziel retten.
Q.Pilar--TPP