Euro STOXX 50
31.6200
Die Krise bei Volkswagen macht auch vor den Premiumtöchtern nicht Halt: Der Sportwagenhersteller Porsche kündigte am Montag 5000 Stellenstreichungen an, Audi senkte seine Umsatzprognose für das laufende Jahr. Die VW-Töchter leiden wie auch die Kernmarke des Konzerns unter einem wegbrechenden China-Geschäft und hohen Belastungen wegen der Zölle von US-Präsident Donald Trump.
Porsche kündigte einen "sozialverträglichen" Stellenabbau bis 2035 an. Der Absatz des Sportwagenbauers war im ersten Halbjahr stark zurückgegangen, um rund 16 Prozent auf rund 122.000 Autos. In China brach der Absatz sogar um ein Drittel ein, in Nordamerika waren es 13 Prozent. Im Heimatmarkt Deutschland lieferte das Unternehmen knapp 15.000 Autos aus, sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Das nun mit dem Gesamtbetriebsrat sowie der IG Metall verhandelte "Zukunftspaket" soll die Personalkosten "deutlich" senken, wie Porsche mitteilte. Im Gegenzug sagte der Vorstand Investitionen in Höhe von 2,1 Milliarden Euro in die Standorte Zuffenhausen und Weissach bei Stuttgart zu. Gemeinsames Ziel sei es, "die Wettbewerbsfähigkeit des Sportwagenherstellers zu stärken und dabei langfristig möglichst viele Arbeitsplätze abzusichern".
Die 5000 Arbeitsplätze sollen den Angaben nach durch natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und Aufhebungsverträge verschwinden. Zugleich sicherte das Unternehmen den Erhalt seiner Standorte zu und schloss betriebsbedingte Kündigungen bis 2035 aus. 2025 hatte Porsche bereits 3900 Stellenstreichungen angekündigt. Davor hatte das Unternehmen gut 42.000 Mitarbeiter.
"Das Zukunftspaket ist gut für Porsche", erklärte Porsche-Chef Michael Leiters. "Es gibt uns die Möglichkeit, unser Unternehmen strategisch neu auszurichten und in unsere Wettbewerbsfähigkeit zu investieren." Sicherheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebe es nur, "wenn wir unsere Ziele erreichen und wirtschaftlich erfolgreich sind".
Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Ibrahim Aslan, sprach von einem "hart erkämpften" Paket. "Wir konnten die Arbeitgeberseite überzeugen, dass eine Investition in das Unternehmen Porsche an den Standorten Zuffenhausen und Weissach eine Chance ist und damit auch für weitere fünf Jahre maßgeblich Beschäftigung sichern." Die Lasten dadurch würden auf alle Schultern verteilt.
Die Ingolstättet VW-Tochter Audi senkte am Montag die Umsatzprognose für 2026 um fünf Milliarden auf nun 58 bis 63 Milliarden Euro. "Geopolitische Unsicherheiten, US-Zölle und der intensive Wettbewerb - insbesondere in China - prägten die Geschäftsentwicklung", erklärte das Unternehmen. Im ersten Halbjahr verzeichnete Audi demnach insgesamt Umsätze in Höhe von gut 29 Milliarden Euro - 10,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Audi-Finanzchef Jürgen Rittersberger stellte weitere Sparmaßnahmen in Aussicht. "Die Ergebnisse des ersten Halbjahres zeigen, dass die bereits eingeleiteten Maßnahmen, wie eine strikte Kostendisziplin, wirken. Aber sie reichen nicht aus", erklärte er. "Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, müssen wir gemeinsam mit dem Volkswagen-Konzern unser Geschäftsmodell neu ausrichten und weitreichende strukturelle Verbesserungen realisieren."
Audi ist auch von den im Raum stehenden Sparmaßnahmen von VW betroffen. Diskutiert wird unter anderem die Schließung des Audi-Werks in Neckarsulm. Wie das "Handelsblatt" am Montag berichtete, wird für den Standort nun eine erneute Senkung der jährlichen Produktionskapazität von derzeit 225.000 auf 150.000 Einheiten geprüft. Auch am Hauptsitz Ingolstadt könnte demnach die Produktion weiter sinken.
W.Cejka--TPP